Die Steinhauertradition in Slatina
Die Bearbeitung von Stein und seine Nutzung für menschliche Bedürfnisse ist im Laufe der Jahrhunderte zu einem bedeutenden Element der menschlichen Kultur geworden. Dank dem Stein und seiner Bearbeitung haben wir Kenntnisse darüber, wie die Menschen lebten. Davon zeugen jahrhundertealte Bauten von Siedlungen, Wegkapellen, Kreuzen, Brunnen und viele weitere Zeugnisse des „steinernen Erbes".
Das Steinhauerhandwerk in der Gegend der Blatenský-Hügellandschaft hat eine jahrhundertealte Tradition. Schon die mittelalterlichen Bauhütten der Johanniter in Strakonice und der Zisterzienser in Nepomuk nutzten die Qualität des hiesigen Granits. An ihre Tradition knüpften eine Reihe weiterer Steinhauermeister an. Aus dem Jahr 1551 haben wir eine Nachricht über Meister Odra, einen Steinhauer aus Blatná; 1665 wird der Steinhauerpolier aus Lnáře Johanes Donát erwähnt, der vor allem beim Bau des dortigen Klosters tätig war, sowie Meister Dominik Fontána, der 1681 an der Feste in Bezděkov arbeitete. Viele Bauten in der Umgebung wurden von weiteren hervorragenden Steinhauermeistern geschaffen: Simon Posser (1685), Kašpar Veselý (1689) und vor allem Mark Lanckner aus Salzburg (1689). Der Steinhauer Josef Kubát aus Kadov, der 1737 erwähnt wird, führte den Umbau der Kirche in Kadov durch. Den Bauten in Lnáře verlieh Jan Kelber (1788) ihr barockes Gepräge. Bekannt waren die Steinhauergeschlechter Berek, Krejčí, Fiala.
Im 18.–19. Jahrhundert wurden im Streifen von Kadov über Slatina nach Lažany Defurovy und Maňovice Dutzende kleiner Steinbrüche zur gelegentlichen Granitgewinnung eröffnet. Von den größeren sei der Steinbruch Slatina genannt, in dem zur Zeit des Baus der k. u. k. Eisenbahnstrecken eine Gruppe italienischer Steinhauer unter Leitung von Meister Leonardo Gritti Stein brach. Später bauten hier die Brüder Matěj und Tomáš Vančura ab, die ihn für Bauten in Pest (dem heutigen Budapest) verarbeiteten, zuletzt dann Václav Pešule. Nach der Verstaatlichung gehörte der Slatiner Steinbruch der Steinindustrie in Příbram, heute ist er in den Händen eines österreichischen Unternehmers.
Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke über Blatná im Jahr 1899 eröffneten sich für Steinhauererzeugnisse große Absatzmöglichkeiten. In der Blatenský-Gegend entstanden eine Reihe von Steinhauerbetrieben, darunter auch das Unternehmen von Jan Baron in Kadov. Zum Zweck besseren Absatzes wurde in Kadov im Jahr 1921 eine Genossenschaft für den Granitabsatz gegründet, die den Namen „Südböhmische Steinhauerindustrie" trug. Im Jahr 1927 stellte sie ihre Tätigkeit ein. Während der Slatiner Steinbruch seit Jahrzehnten in ununterbrochenen Betrieb ist und seine Tätigkeit ausweitet, existiert er in Kadov schon längst nicht mehr.
Heute werden bei der Gewinnung und Verarbeitung von Granit modernste Technologien eingesetzt, früher wurden alle Arbeiten vorwiegend von Hand ausgeführt. Dennoch verstanden es die geschickten Steinhauer, ein großes Sortiment an Erzeugnissen herzustellen. Sie stellten Pflastersteine, Bordsteine, Prellsteine, Grenzsteine, Treppen, Fensterbänke, Tür- und Fensterrahmen (Zargen), Gesimse, Brückenquader, Denkmäler, Säulen, Tröge, Wasserbehälter und andere Erzeugnisse her. Es waren Erzeugnisse, die eigentlich das Kunstwerk jedes einzelnen Steinhauers darstellten. Zu den bekannten Steinhauern in Slatina gehörten vor allem die Geschlechter Valach, Kleps, Zoubek und andere.
Auch heute knüpfen die Steinhauer in Slatina an ihre hervorragenden Vorgänger an. Neben dem vielfältigen Sortiment an Erzeugnissen sind sie auch in der Lage, Kunstwerke zu schaffen. Nennen wir zumindest das Denkmal für Voskovec und Werich auf dem Olšaner Friedhof, die Stufen von der Karlsbrücke zur Kampa in Prag, das Denkmal des Bischofs von Košice, verschiedene Gedenktafeln und andere Erzeugnisse.
Als Erinnerung an die Steinhauertradition in Slatina und seiner Umgebung entstand das Projekt der Steinhauerfeste – Slatinský patník (Der Slatiner Prellstein).