Blatná
Die Herren von Rožmitál, aus deren Geschlecht auch die Gemahlin von König Georg von Podiebrad, Johanna, stammte, vertieften die Sümpfe zu einem Teich, wobei in einem bis zu 3 m hohen Aufschüttung die letzten Reste des ursprünglichen Baus verschwanden und die vergrößerte Fläche von einer Burgmauer umgeben wurde, vor der der unerlässliche Wassergraben und Wall lagen. Spuren dieser Befestigung haben sich teilweise bis heute erhalten. Der Zugang zur Burg erfolgte wie bisher von Osten über eine Zugbrücke, an deren Ende ein hoher prismatischer Turm steht. In ihm sind über dem Portal die steinernen Wappen des Jan von Rožmitál und seiner Gemahlin Eliška von Kravar eingesetzt. An den Turm schließt sich auf der linken Seite ein gotischer Palast mit einer Kapelle im ersten Stockwerk an. Gleichzeitig wurde ein zweiter Palast an der Stelle der ehemaligen romanischen Burg errichtet. Da Wasserburgen und Burgenneubauten ab dem 15. Jahrhundert überhaupt bei uns nur vereinzelt vorkommen, können wir auf der Burg Blatná einige völlig neue Merkmale beobachten, vor allem in der Anlage der Befestigung, die sich teilweise bis heute erhalten hat.
Hier residierte und in der Bautätigkeit fuhr auch Jaroslav Lev von Rožmitál (1446–1485) fort, der höchste Landesrichter und höchste Hofmeister, der die bekannte Gesandtschaft (1465–1467) des Königs Georg von Podiebrad (dessen Gemahlin Jaroslavs Schwester war) zu den europäischen Herrschern leitete. Der Weg der Gesandtschaft (er leitete eine Gruppe von 40 böhmischen Herren und Rittern) führte über Pilsen nach Nürnberg und weiter nach Brüssel, nach England, Frankreich, Spanien und Portugal bis ans Ende der damaligen Welt. Die Gesandtschaft kehrte über Italien und Österreich nach Hause zurück. König Georg hatte eine schwierige Position. Sechs Jahre nach seiner Königswahl widerrief Papst Pius II. die Basler Kompaktaten – das Abkommen zwischen den böhmischen Hussiten und dem Basler Kirchenkonzil. Durch den Widerruf der Kompaktaten erneuerte sich das Bestreben, das hussitische Böhmen zu isolieren und Wycliffiten, Hussiten und andere Ketzer auszurotten. Georg von Podiebrad versuchte, diesem Bestreben durch umfangreiche außenpolitische Aktivität entgegenzuwirken. Höhepunkt seiner diplomatischen Tätigkeit war die Gesandtschaft an die christlichen Herrscher, offenbar der erste detailliert ausgearbeitete Vorschlag einer internationalen Organisation, konzipiert auf den Grundsätzen der Zusammenarbeit souveräner, einander gleichgestellter Staaten und der Einhaltung übernommener Verpflichtungen, die heute die Grundlage der Vereinten Nationen bilden. Das Tagebuch des Václav Šašek von Bířkov von dieser langen Reise wurde für Alois Jirásek zum willkommenen Stoff für das Buch „Z Čech až na konec světa" (Aus Böhmen bis ans Ende der Welt).
Aus der Zeit des Jaroslav Lev von Rožmitál stammen zweifellos die freigelegten und restaurierten spätgotischen Fresken im sog. Rittersaal des Bavorovec-Palastes (Königsfiguren, Turnierszene, höfische Szenen, Abbildungen von Rožmitál und Blatná u. a.) und in der sog. Grünen Stube im Burgturm (figurale Darstellungen in reicher Ornamentschmuck, Wappen der führenden Adelsfamilien in Böhmen – Švamberk, Rýzmberk, Rožmberk, Gutnštejn, Zajíc von Házmburk, Berk von Dubá u. a.).
Die Ära der Rožmitál-Herrschaft bedeutete für Blatná die Zeit der größten Blüte. Durch die Bautätigkeit des Jaroslav Lev von Rožmitál war die Entwicklung des gotischen Blatná noch nicht abgeschlossen. Sein Sohn Zdeněk Lev von Rožmitál (ca. 1470–1535) gehörte zu den führenden Beamten der Landesregierung in Böhmen (Oberstburggraf 1507–1523, erneut 1525–1528), Politiker und Ratgeber der Könige Vladislav II. und Ludwig. Sein erstes Bauvorhaben war die Erweiterung der Burgkapelle im Bavorovec-Palast um einen dreieckigen Abschluss. Nach der Ausmalung der Wände mit biblischen Szenen wurde die Kapelle der Jungfrau Maria 1515 geweiht. Weitaus wichtiger war Zdeněks Entscheidung für den Bau eines neuen Flügels beim Bavorovec-Teil der Burg nach dem Entwurf des königlichen Architekten Benedikt Ried (Rejt), der gotische und Renaissance-Elemente vereinte. Der Bau wurde nach 1528 begonnen. Beide Stockwerke durchziehen Paare dreieckiger Erker auf beiden Fassaden. Den Burghof auf der Westseite schloss offenbar eine Erdgeschossloggia ab. Der Palast hat eine völlig originelle Anlage.
Die Kosten für die Bauarbeiten, die standesgemäße Repräsentation, die Ausgaben für Dienst- und Diplomatiereisen sowie die König Vladislav II. gewährten Darlehen brachten Zdeněk Lev in Schulden. Die Einnahmen aus den zwei Hauptherrschaften, Rožmitál und Blatná, und die schleppenden Rückzahlungen der königlichen Schatzkammer reichten nicht aus, alle Ausgaben zu decken. Und so musste nach Zdeněks Tod 1535 sein Sohn Adam von Rožmitál das gesamte Erbe verkaufen und nach Mähren ziehen. Blatná erwarb 1541 einer von Zdeněks Gläubigern, Adam von Sternberg, und 1555 verkaufte er es den Schwestern Kateřina und Anna Řepická von Sudoměř. 1560 überließ Kateřina Blatná ihrem Ehemann Zdeněk von Sternberg. Da hatte bereits die schrittweise Umwandlung der Burg in ein Renaissanceschloss begonnen.
Nach Sternbergs Tod (1575) erhielt Blatná 1579 der polnische Adlige Graf Jan von Rozdražov (gest. 1585). Sein Sohn Václav ließ neben dem Burgturm an einem bis dahin unbebauten Ort an der nördlichen Burgmauer einen zweigeschossigen Renaissancepalast erbauen. Die Lücke zwischen diesem neuen Flügel und dem alten gotischen Gebäude weiter westlich wurde durch ein niedriges Gebäude mit Küche und Dienstbotenunterkünften ausgefüllt. Damit war die bauliche Entwicklung des Blatnaer Schlosses im Wesentlichen abgeschlossen.
Im Besitz der Herren von Rozdražov blieb Blatná bis 1691, als das Geschlecht mit Jans Enkel František Ignác ausstarb. Die Blatnaer Herrschaft erbte Graf Jan František Krakovský von Kolowrat, doch 1695 verkaufte er Blatná an Gräfin Arnoštka Serényi. Nach dem Brand 1763, der den Rozdražov-Trakt am stärksten beschädigte, wurde dieses Gebäude in den folgenden vier Jahren barock umgestaltet. Unter Serényi wurde in dem angrenzenden Wildgehege ein Empire-Pavillon mit vorgesetzter zweiarmiger Treppe errichtet.
Das letzte Geschlecht, das Blatná besaß, waren die Hildprandt von Ottenhausen. 1798 kaufte Václav Karel Hildprandt von Ottenhausen die Blatnaer Herrschaft von Amand Serényi. Sein Sohn František Hildprandt, dessen Hauslehrer für Philosophie und Naturwissenschaften in den Jahren 1810–13 Jan Evangelista Purkyně war (er gründete hier eine Bibliothek), ließ 1850–1856 durch den Abriss der romanischen Kapelle und der Loggia einen freien Blick vom Burghof in den englischen Park öffnen. Neu gestaltet wurde der Eingangsbereich hinter dem Turm, der alte Bavorovec-Palast; im benachbarten Ried-Gebäude wurde die Verbindung der Räume verändert. 1809 wurde die hölzerne Zugbrücke entfernt und durch eine Steinbrücke ersetzt. Durch den Umbau des Schlosses im Stil der englischen Gotik 1850–1856 nach dem Entwurf des Architekten Bernhard Gruber erhielt Blatná sein heutiges Aussehen. Zur gleichen Zeit wurde das angrenzende Wildgehege in einen englischen Park (42 ha) umgewandelt.
Das Schloss hat einen annähernd rechteckigen Grundriss. Der Eingang zum Schloss erfolgt über eine Brücke (früher Zugbrücke). Der massive Eingangsturm ist ein Überbleibsel der ursprünglichen Feste. Der Burghof ist in seinem hinteren Teil zum Park hin offen. Auf der linken Seite des Burghofs befindet sich der Ried-Flügel aus dem 16. Jahrhundert, gegenüber ein neueres Gebäude aus dem 17. Jahrhundert.
1945 ging das Schloss in Staatseigentum über. In den 80er Jahren fand seine Generalüberholung statt. 1991 wurde das Schloss den Hildprandt restituiert. Die Innenausstellung wurde verändert und ist größtenteils den Mitgliedern der Familie Hildprandt gewidmet. Der wertvolle Ried-Flügel aus dem 16. Jahrhundert befindet sich derzeit in schlechtem Zustand. Wir hoffen, dass bald Rekonstruktionsarbeiten beginnen werden.
Den Schatz, den angeblich Templer in der einstigen Burg verbargen, würden Sie jedoch vergeblich suchen. Man erzählt, dass ihn schon vor zwei Jahrhunderten nach der Anleitung auf einem alten Bild ein kluger Schreiber gefunden und fortgetragen hat.
Englischer Park – Naturlandschaftspark mit Damwild, befindet sich hinter dem Schloss.
Kirche Mariä Himmelfahrt – in Blatná, im Stadtzentrum, ursprünglich gotisch aus den Jahren 1444–1515.
Lage der Gemeinde: Karte
Unterkunft:
Hotel Beránek (Náměstí Míru 100, Blatná, Tel.: 383 422 231)
Ubytovna Tesla (Boženy Němcové, Blatná, Tel.: 383 422 558)
Penzion Hanzlík (T. G. Masaryka 270, Blatná, Tel.: 383 423 750)
Penzion Kuřák (U Sladovny, Blatná, Tel.: 383 423 854)
SOŠ internát (V Jezárkách, Blatná, Tel.: 383 422 025)
SOU internát (U Sladovny, Blatná, Tel.: 383 421 051)
Gastronomie:
Restaurace Na rychtě (Náměstí Míru 109, Blatná, Tel.: 383 422 902)
Restaurace U bílého lva (Náměstí Míru 210, Blatná, Tel.: 383 422 259)
Restaurace V sokolovně (Kalinovo nám. 580, Blatná, Tel.: 383 422 737)
Protivínská hospoda Jan Bouda (Spálená 404, Blatná, Tel.: 383 422 372)
Hostinec Jubileum (Nádražní 362, Blatná, Tel.: 383 422 243)
Hostinec Na obůrce Morová Miloslava (J.P.Koubka 23, Blatná, Tel.: 383 422 072)
Hospoda U Datla (Nádražní 633, Blatná, Tel.: 383 421 440)
Hostinec Na myslivně Zach Jaroslav (Písecká 317, Blatná, Tel.: 383 421 431)
Weitere Informationen: http://www.mesto-blatna.cz